Andacht im Juni 2018

Aufruf zum Lob Gottes

Psalm 100

„Jubelt laut! Jubele der Ewigen zu, du ganze Erde!
Dient der Ewigen voller Freude, kommt vor ihr Angesicht mit Jubelgeschrei!“
(Bibel in gerechter Sprache)

So habe ich den Psalm noch nicht gehört. Vertraut sind mir diese Worte: Jauchzet dem Herrn, alle Welt… So habe ich es gesungen in den Motetten von Heinrich Schütz oder Felix Mendelssohn-Bartholdy. Wenn ich diesen Psalm mitbete, klingt er in mir. Ein majestätisches Entree. Laut zu jubeln, lautet die musikalische Aufforderung. Das haben die Komponisten zu verschiedenen Zeiten gleichermaßen gestaltet.

Bleibt uns das Jubeln oder Jauchzen nicht im Halse stecken? Wir sind fassungslos angesichts der Schrecken um uns herum. Wir fragen nach dem Sinn von Katastrophen in der Welt draußen und in unserem persönlichen Leben. Wie sollen wir diese ertragen oder gar bewältigen? Wir können das Schöne, das Mutmachende oft gar nicht mehr wahrnehmen. Da ist der Gottesdienst eine Gelegenheit, gemeinsam mit anderen Worte zu finden. Wir schließen uns beim Psalmengebet einer sehr alten Gemeinschaft an. Der Psalter ist das Gebetbuch von Juden und Christen. Die Worte sind seit langem vorgegeben, dem Anlass entsprechend geformt.

Die Israeliten kamen im Tempel zusammen, um Gott nahe zu sein. Für sie ist Gott gegenwärtig im Heiligtum. Es ist die Wohnung Gottes, ohne dass die Menschen über Gott verfügen können. Hier erlebten sie immer wieder neu und gemeinsam, dass Gott einen Bund mit ihnen geschlossen hatte. Es war ein reges Kommen und Gehen in den Vorhöfen: Die Menschen kamen aus allen Teilen des Landes. Sie kamen als Wallfahrer, alle brachten ihre persönliche Geschichte mit. Sie waren vereint im Vertrauen auf Gottes Schutz und Segen. Der Gottesdienst im Tempel war die „sammelnde Mitte“ für Israel; Gott ehren, vor Gottes Angesicht treten, seinen Geboten folgen sind seine Elemente. Im Lobpreis dankte man Gott für die Erhaltung der Schöpfung, feierte man ihn als Retter der Welt. Beim Einzug zum Gottesdienst sollte Loben das Erste sein. Gott ehren – das ist Gottesdienst. Weil die Israeliten sich auf den Bund mit Gott verließen, waren ihre Herzen übervoll.

Wenn wir den Psalm 100 in der Epiphaniaszeit, am Pfingstmontag oder jetzt im Juni beten, dann werden wir, ebenso wie damals die Israeliten, voll überschäumender Freude und voller Vertrauen aufgefordert: Jubelt laut! Die traditionelle Sprache tut uns gut, wir stellen uns in eine lange Reihe von Gottesdienst-Feiernden, und das Psalmwort wird zu unserem Wort. Da können wir  die anderen nicht ausschließen. Voller Daseinsfreude loben wir gemeinsam Gott mit dem alten Psalmwort oder mit der neuen Übersetzung. Vielleicht stimmen wir mit Martin Luther überein: „Wo findet man feinere Worte der Freude als in den Lob- und Dankpsalmen… es ist das Allerbeste, dass sie solche Worte zu Gott und mit Gott reden. Dadurch ist doppelter Ernst und doppelte Freude in den Worten.“

Auch wir haben heute Grund genug zu jubeln und zu jauchzen: Wir feiern, dass Jesus geboren wurde und dass Gott uns mit seinem Geist beschenkt. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass „die Ewige“ treu zu uns steht, so wie es vor langer Zeit auch die Israeliten erfahren haben.  Lassen auch wir uns vom Psalm 100 anstiften, vertrauensvoll und laut zu rühmen und zu jauchzen. In solch einem Gottesdienst schöpfen wir sicher auch die Kraft und die Zuversicht, schwierige oder belastende Situationen anzugehen.
Feiern wir fröhlich Gottesdienst, in dem wir die alten Worte des Volkes Israel mitsprechen, nachsprechen - oder singen. (Katrin Weber)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2018. Psalmen - Orientierung im Glauben. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet - Psalm 100

Jubelt laut! Jubele der Ewigen zu, du ganze Erde!
Dient der Ewigen voller Freude,
kommt vor ihr Angesicht mit Jubelgeschrei!
Erkennt: die Ewige, nur sie ist Gott.
Sie hat uns gemacht – ihr gehören wir.
Ihr Volk sind wir, die Herde ihrer Weide.
Kommt in ihre Tore mit Dank, in ihre Höfe mit Lobgesang!
Dankt ihr, segnet ihren Namen!
Ja, gut ist die Ewige! Von Dauer ist ihre Freundlichkeit,
von Generation zu Generation reicht ihre Zuverlässigkeit.
Amen.
(Bibel in gerechter Sprache)

Liedvorschläge

EG 288  Nun jauchzt dem Herren, alle Welt
EG 337  Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn (Kanon)

Zum Anhören: Jauchzet dem Herrn, Motetten von Heinrich Schütz, Max Reger, Felix Mendelssohn-Bartholdy u.a.